Allein zu Hause. Nicht.

Einen Sohn und meine Frau höre ich gerade über Discord und kann ihnen vom heimischen Schreibtisch zusehen, wie sie – in anderen Zimmern des gleichen Hauses sitzend – in Minetest bauen. Die interne Kommunikation übers Internet ist zwar weder für die Bandbreite noch datenschutztechnisch optimal, ermöglicht es aber auch anderen, die nicht im Haushalt wohnen, daran teilzuhaben. Einerseits geht der physische Kontakt zu Freunden verloren, andererseits arbeiten, spielen und kommunizieren wir wieder mehr mit Menschen, die nicht in unserem direkten Umfeld wohnen, dafür aber ähnliche Interessen haben.

Als Lehrerin hat meine Frau sich entschlossen, das von mir initiierte Projekt „Minetest-Corona-Bildungsserver“ auch für ihre pädagogische Arbeit zu nutzen. Damit sie für ihr Matheprojekt zu Längen, Einheiten, Maßstab und Umrechnungen eine gerade Fläche erhält, hat sie unseren Jüngsten für die Landschaftsgestaltung in der virtuellen Welt engagiert.

So lernen wir generationsübergreifend voneinander. Vor allem haben wir mehr gemeinsame Zeit als Familie. Es treffen sich plötzlich alle Familienmitglieder beim Mittag- und Abendessen. Da gibt es keinen mehr, der abends Termine außer Haus hat. Eventuell muss nur abgesprochen werden, ob das Essen ein bisschen verschoben werden kann, weil gerade ein Webinar, eine Videokonferenz oder ein Onlinespiel stattfindet.

Wir kommen damit als Familie – bisher und noch – ganz gut klar, weil wir von Anfang an eine Struktur verabredet haben. Von Montag bis Freitag stehen fünf von sechs Personen 8 Uhr auf. Am Wochenende darf ausgeschlafen werden. Von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr sind in der Regel die verbindlichen Arbeitsphasen, in denen die Eltern im Home-Office und Kinder im Home-Schooling sind. Das heißt aber auch, dass die Eltern kaum Zeit haben, die Kinder zu unterstützen, weil die Hausaufgabenkontrolle von der anschließenden Familienzeit abgehen würde, die aber jetzt als Qualitätszeit wichtiger denn je ist.

In der Familienzeit werden Brettspiele gespielt, Filme geschaut oder auch mal wieder länger geredet. Gleich zu Beginn der „Corona-Ferien“ haben wir das „Spiel des Lebens“ bestellt. Einmal hat sich die Familie auch am Tisch versammelt, um https://skribbl.io/ zu spielen. Da es mehr Zeiten gibt, an denen alle Kinder gleichzeitig Zeit haben, spielen sie auch wieder mehr Onlinespiele zusammen.

Wenn wir uns täglich sehen, müssen wir an unserer Familienkultur arbeiten. Wir merken, dass wir zu wenig loben, nicht oft genug dankbar sind und wir oft nicht den richtigen, freundlichen Ton finden. Das Gute an der aktuellen Zeit aber ist: Wir kommen darüber ins Gespräch und versuchen als Familie daran zu arbeiten.

Mein Fazit nach zwei Wochen Schulschließung und Home-Office: Wir halten es – noch – aus und können auch die guten Seiten sehen. Dafür verweigern wir uns ziemlich konsequent, uns intensiver als sonst um die Schulaufgaben der Kinder zu kümmern und versuchen andere Stressfaktoren zu ignorieren. Und wir sind uns sehr bewusst, wie privilegiert wir sind: Mit Garten, einem Zimmer für jedes Kind und zwei kleinen Arbeitszimmern, Internet, das fast immer geht, einer vergleichsweise hohen Mediennutzungskomptenz, …

Titelbild: Image by Pexels from Pixabay

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